#1

Zahlen über Krippen und Kitas ohne Garten/Außengelände

in Daten & Fakten 24.08.2016 20:35
von Angelika Mauel • 19 Beiträge

Hallo!

Es ist schon schlimm genug, wenn auf ein vorhandenes Gelände eines Kindergartens ein Anbau gesetzt oder gar ein so genannter Kindergartencontainer aufgestellt wird. Meist lautet die Rechnung dann: Weniger Platz und den auch noch für mehr Kinder. Noch übler aber ist es, wenn Kindern gar kein Garten unmittelbar am Gebäude zur Verfügung steht. (Es sein denn, es handelt sich um einen Waldkindergarten).

Besteht Aussicht, dass bald freimütiger über diese Fehlentwicklungen diskutiert wird? Falls es zur Schaffung eines Bundeskitaqualitätsgesetzes kommen sollte, können wir doch nicht wollen, dass vorher schon Fakten geschaffen wurden, die die Schaffung eines Gesetzes, das die Grundbedürfnisse von Kindern ernst nimmt, beeinträchtigt.

Nachdem ich gestern eine tote Ratte aus einem Springbrunnen gefischt habe, in dem Kinder vergnügt spielten, muss ich das Thema auch hier posten. Es ist hinlänglich bekannt, dass Parks und öffentliche Spielplätze gerade dort besonders verdreckt sind, wo die Grundstückspreise hoch und Grünflächen für Kindergärten rar sind.

Welche Zahlen bezüglich der Anzahl von Kindergärten ohne Garten sind publiziert worden? Gibt es schon Erörterungen darüber, von welche Mindestanforderungen besser nicht abgewichen wird, wenn es um die Erteilung einer Betriebserlaubnis geht?

Freundliche Grüße

Angelika


zuletzt bearbeitet 24.08.2016 20:37 | nach oben springen

#2

RE: Zahlen über Krippen und Kitas ohne Garten/Außengelände

in Daten & Fakten 11.01.2017 22:12
von Detlef Diskowski • 27 Beiträge

Hallo Angelika,
ich kenne solche Zahlen nicht; vermutlich sind sie - wenn überhaupt - nur regional verfügbar.
Um aber mal Ihrer sehr grundsätzlichen Kritik ein Bedenken entgegenzusetzen: In städtischen Ballungsräumen ist es manchmal objektiv unmöglich, die gewünschte Freifläche bereitzustellen. Was ist die Konsequenz? Auf einen Kitabau zu verzichten? Gerade dort wo der Bedarf am größten ist? Keinen Wohnungsbau zulassen ... öffentliche Räume reduzieren ... es gibt manchmal Grenzen und häufig gibt es Konflikte zwischen verschiedenen als sinnvoll erkannten Zielen.

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#3

RE: Zahlen über Krippen und Kitas ohne Garten/Außengelände

in Daten & Fakten 16.02.2017 10:44
von Angelika Mauel • 19 Beiträge

Hallo!

Natürlich ist mir auch sehr bewusst, dass es in den Metropolen besonders schwierig ist, Kinder kindgerecht zu betreuen. Aber wir leben in einem Staat, in dem wir die Meinngsfreiheit nutzen und uns wirklich nicht auf eine Untertanenmenatlität beschränken und zu Fehlentwicklungen schweigen müssten. Die Grundbedürfnisse von Kindern schrumfen nicht, nur weil Erwachsene ihnen keine Kindergärten mit ausreichend Platz zur Verfügung stellen wollen oder können. Es ist skandalös, dass die Politik Zustände zugelassen hat, die niemals Eingang in ein Bundeskitaqualitätsgesetz finden dürften.
Auf meiner Webseite habe ich darauf hingewiesen, dass der Kinderschutzbund in Stuttgart Träger einer Einrichtung ist, die für 15 Krippenkinder und die Fachkräfte am Haus nur ein Außengelände von 60 qm vorsieht! http://www.kindergartenkritik.de/nobody-is-perfect/ Wo bleibt die Vorbildfunktion einer Organisation, die Spendengelder bekommt? Anstatt sich dem Betreuungsplatzausbau zu kinderunfreundlichen Konditionen zu verweigern (was möglich gewesen wäre), ließ sich der Ortsverband des Deutschen Kinderschutzbundes auch noch für sein fragwürdiges Engagement loben! Von einer Stellungnahme in dem Stil "Wir bedauern es zutiefst, Kindern nicht mehr Platz bieten zu können..." war in den Medien nichts zu lesen.

Überhaupt: Warum werden Einrichtungen ohne ein ausreichend großes Außengelände am Haus nicht allenfalls knapp befristet geduldet?
Eltern mögen glauben, wenn Erzieherinnen und Kinderschützer Zustände hinnehmen, dass diese auch für Kinder in Ordnung seien. Aber das kann es ja wohl nicht sein! Mittlerweile finden etliche Eltern es schon besser, in Großstädten ihr Kind in einen Kindergarten ohne Garten zu schicken, weil die Außengelände in den Innenstädten sie an zu kleine Käfige für Zootiere erinnern.

Was ist eigentlich mit dem Kinderschutzbund los? Die Bereitschaft, sich an das politisch Gewollte und Elternwünsche anzupassen, muss wohl immens groß sein, obwohl es doch eigentlich die Aufgabe wäre, eindeiutig für die Interessen von Kindern einzutreten, die die Opfer des forcierten Betreuungsplatzausbaus sind!
Ein Beispiel aus Neumünster: "Dem Kinderschutzbund wurde daraufhin die Nutzung der oberen Räume untersagt. Als Konsequenz mussten zwei Krippengruppen geschlossen werden (der Courier berichtete). „Das hat uns damals hart getroffen“, sagt Pfaff."
Und es geht noch weiter: "Die derzeit vorhandenen Gruppen – zwei Krippengruppen mit jeweils zehn Kindern und eine Outdoor-Gruppe mit 20 Kindern – sind wegen der problematischen Unterbringung durch die untere Bauaufsichtsbehörde und die Heimaufsicht des Landes nur geduldet. Die Frist endet am 31. Juli 2017 – bis dahin muss zumindest der Bauantrag für den Ersatzneubau eingereicht werden."
http://www.shz.de/lokales/holsteinischer...id15905371.html

Auch vor dem Stadttor von Bad Münstereifel gibt es einen vom Kinderschutzbund betriebenen Kindergarten, dessen Außengelände für die Kinder nicht viel Platz bietet. Ausgerechnet dort, wo Besucher des Outletcenters es vom Parkplatz aus sehen können...

Kann es möglich sein, dass die Verbände, die dem Kinderschutz dienen wollen, noch keine Antworten auf Fragen nach der Anzahl der Kindergärten ohne Garten erhalten haben? Oder kann es sogar sein, dass entsprechende Fragen von ihrer Seite gar nicht oder erst mit viel Verspätung gestellt wurden?

Nach allem was ich gesehen oder von Berufskolleginnen erfahren habe, empfinde ich die Schaffung eines Rechtsanspruchs für die unter Dreijährigen als Zumutung, die für viele Kleinkinder traumatisierend sein kann. Ich kenne junge Erzieherinnen, die aufgrund ihres Insiderwissens ein eigenes Baby allenfalls zur Tagesmutter, aber nicht in eine Krippe bringen würden und gleichalrige Erzieherinnen (in NRW) freuen sich oft darauf, ihren Beruf aufzugeben, um ihr Enkelkind zu betreuen, damit es nicht so früh in einer Kita landet.

Hoffentlich wird die Resolution https://www.dkhw.de/unsere-arbeit/schwer...aussenflaechen/ , die - immer noch viel zu wenig beachtet - auf der Seite des Kinderhilfswerks https://www.dkhw.de/unsere-arbeit/schwer...aussenflaechen/ steht, in naher Zukunft Diskussionen auslösen.

Freundliche Grüße

Angelika


zuletzt bearbeitet 16.02.2017 10:57 | nach oben springen

#4

RE: Zahlen über Krippen und Kitas ohne Garten/Außengelände

in Daten & Fakten 05.03.2017 14:49
von Angelika Mauel • 19 Beiträge

Hallo!

Die Resolution des Kinderhilfswerks kann zwar noch über Stichworte aufgerufen werden, kennt man die Stichworte jedoch nicht, endeckt ein Besucher der Webseite die Resolution und die dazu gehörenden verlinkten Beiträge nicht. Das ist schade - und vielleicht sogar bezeichnend für die Zurückhaltung organisierter Kinderschützer, wenn es darum geht, für Kindergartenkinder - einfach und selbstverständlich! - einen Garten zu fordern.

Heute habe ich bei Herrn Hilgers, dem Präsidenten des Bundesverbandes des Deutschen Kinderschutzbundes per Email gefragt, ob man beim Bundesverband weiß, wie viele Kindergärten ohne Garten es gibt. Sollte beim Kinderschutzbund niemand konkrete Angaben machen können, würde bestimmt eine von dort gestellte Nachfrage beim Bundesfamilienministerium schnell beantwortet werden. Außerdem habe ich gefragt, ob es Krippen und Kitas gibt, die Kindern keinen am Haus gelegenen eigenen Garten zur Verfügung stellen können und unter der Trägerschaft eines Ortsverbandes des Deutschen Kinderschutzbundes stehen.

Über eine hoffentlich bald eintreffende Antwort werde ich berichten. Je mehr sich die Natur entfaltet, je frühlingshafter es wird, umso mehr tun mir Kinder leid, die in einen Kindergarten gebracht werden, in dem sie weder ausgiebig noch nach Lust und Laune draußen spielen können.

Angelika

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#5

RE: Zahlen über Krippen und Kitas ohne Garten/Außengelände

in Daten & Fakten 05.03.2017 21:27
von Detlef Diskowski • 27 Beiträge

Liebe Kollegin,
zu zwei Punkten möchte ich mich gerne äußern:
1. muss ich Ihnen leider Ihren Optimismus rauben, dass das Bundesministerium über die 50.000 Kitas in Deutschland Bescheid detailliert wüsste. Wenn bei Bundesministerium solche Informationen vorrätig oder zeitnah beschaffbar sein sollten, dann müsste dieses (und vermutlich auch die anderen) Bundesministerien die vielfache Zahl von Mitarbeiter*innen haben. Diese Personalverstärkung wünschen wir uns doch wohl aber an anderer Stelle.
2. auch ich finde, dass ein Garten für eine Kita eine wichtige Ressource darstellt. Nur habe ich schon in meinem Eingangsstatement darauf hingewiesen, dass es Realisierungsprobleme in den hoch verdichteten Innenstadtbezirken unserer Großstädte gibt, in denen ja zum Glück meist relativ viele Kinder wohnen.
Ich befürchte, dass auch der Kinderschutzbund diesen Zielkonflikt nicht lösen wird. Was schlagen Sie denn vor? Keine Kita bauen, wenn nicht mind. 10qm Garten (so ein Standardwert) geschaffen werden kann?


zuletzt bearbeitet 05.03.2017 21:31 | nach oben springen


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