#1

kostenpflichtige Angebote innerhalb der Betreuungszeit

in Recht und Struktur 15.07.2015 15:58
von Redaktion Forum • 2 Beiträge

Wir haben für Sie interessante Themen des Forums des Jugendministeriums Brandenburg (das inzwischen nicht mehr gepflegt wird) ausgewählt und laden Sie ein, an diese Themen anzuknüpfen. Die Namen der Mitglieder haben wir anonymisiert. Herr Diskowski steht Ihnen im Betrifft KINDER Forum für Fragen zur Verfügung.


Gast 1:
Sehr geehrter Herr Diskowski,

vermehrt tritt in unseren Einrichtungen die Frage auf wie rechtlich mit für Eltern kostenpflichtigen Angeboten
(Musikunterricht, Englisch, Tanzen etc) in der Kita während der Betreuungszeit umzugehen ist.
Im letzten Frühjahr habe ich in 1 Kita ein Schreiben dazu von M. Platzeck gelesen, dass dies nicht zulässig ist aus versch.nachvollziehbaren Gründen. Leider liegt mir dieses nicht vor,ich habe inn den Foren bis jetzt auch keinen weiteren Angaben dazu gefunden.Weiß aber dass dieses Thema durchaus brisant ist aus den verschiedenensten Blickwinkeln Ich hätte hierzu gern mehr konkrete und verbindliche Informationen. Es handelt sich hier um Angebote, bei denen die Kitas aus meiner Sicht quasi die Räume unentgeltlich zur Verfügung stellt für einen bestimmten Teil von Kindern, deren Eltern sich diese finanz. Ausgaben leisten wollen und können. Es wäre schön wenn Sie mir so bald wie möglich weiterhelfen könnten.


Diskowski:
Sehr geehrte Frau X,
es ist m.E. nicht möglich auf diese Frage eine eindeutige und immer richtige Antwort zu geben. Vielmehr gibt es mind. zwei unterschiedliche Sichtweisen, zwischen denen ein sachgerechter Ausgleich gefunden werden muss.

- Kindertagesbetreuung hat selbst einen Erziehungs-, Bildungs-, Betreuungs- und Verssorgungsauftrag für alle Kinder. Hierzu gehören auch musische Angebote oder die Begegnung mit anderen Sprachen und Kulturen. Es entspräche nicht dem allgemeinen Förderauftrag der Kitas, wenn diese sich auf die Versorgung und Betreuung der Kinder konzentrierten und die Förderangebote externen Anbietern überließen. Vollständig unverträglich wäre es, wenn durch die Erwartung einer zusätzlichen Elternbeteiligung Kinder von attraktiven Angeboten ausgeschlossen würden und es zu einer Aufspaltung des Angebots für Kinder zahlungswilliger und zahlungsunwilliger Eltern kommt.

- Auf der anderen Seite kann und soll man nicht jeder Ergänzung des regulären Angebotes entgegentreten (auch wenn diese Ergänzung im Einzelfall mit Kosten für die Eltern verbunden ist). Dies würde schon eine Gruppenreise oder einen Museumsbesuch verhindern. Die Öffnung der Kitas und die Erweiterung des Angebotsspektrums ist nicht immer (für die Eltern) kostenlos zu erreichen.

Auch halte ich einzelne ergänzende (kostenpflichtige) Angebote in den Räumen der Kita für noch verträglich, wenn die Kinder, die nicht teilnehmen können, in dieser Zeit eine intensivere Zuwendung von den Erzieherinnen erhalten können. Solche ergänzenden Angebote sollte allerdings nicht in den Kernzeiten, sondern eher in den Randzeiten des Kitabetriebs stattfinden.

Sinnvollerweise sollten diese Fragen mit den Eltern ausführlich besprochen und im Kita-Ausschuss entschieden werden. Ich hoffe, dass Nutzer dieses Forums ihre Einschätzungen und Erfahrungen mitteilen, um die Diskussion und die Lösung dieses Spannungsverhältnisses zu erleichtern.

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Diskowski
Referatsleiter Ref. 22 MBJS


Gast 1:
Sehr geehrter Herr Diskowski, vielen Dank für die zügige Beantwortung, die mich nat. nur bedingt befriedigen kann, ich wünschte mir dazu erheblich mehr Erfahrungswerte und harre nun der Dinge die da hoffentlich kommen werden. Verwirrt.


Diskowski:
Sehr geehrte Frau X,
diese Erfahrungsberichte wünsche ich mir auch. Sie werden verstehen, dass wir im Ministerium selbst natürlich nicht über diese Erfahrungen verfügen. Insofern wäre es ausgesprochen wichtig für alle, wenn hier nicht nur Fragen gestellt, sondern auch von Erfahrungen berichtet und Einschätzungen gegeben würden.
Ich beeobachte auch mit Sorge, dass Beiträge zumeist beendet sind, wenn Diskowski geantwortet hat. Ich denke selbst nicht, dass dann wirklich Ende der Debatte sein sollte.
Frisch Gesellen, seid zur Hand!

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Diskowski
Referatsleiter Ref. 22 MBJS


Gast 2:
Sehr geehrte Frau X,
da Sie nach Erfahrungsberichten fragten - meine Kinder haben 3 Jahre lang eine Einrichtung besucht, in der 3 solche Angebote gemacht wurden: Frühenglisch, Musikschule Fröhlich und Tanzen in Richtung klassisches Ballett. Die Angebote wurden von gut einem Fünftel der Kinder genutzt. Ich persönlich fand das ganz gut, weil es mir als voll berufstätiger Mutter nicht möglich gewesen wäre, die Kinder nach dem Kindergarten noch irgendwohin zu bringen, um sie zu fördern. Natürlich war die Zufriedenheit unsererseits auch stark abhängig von der Qualität der Angebote, was für uns relativ schwer einzuschätzen war wegen mangelnder Anwesenheit unsererseits. Man war da auf die Erfahrungen anderer Eltern, bzw. die Aussagen der Erzieher angewiesen. Allerdings blieb bei mir auch ein wenig der Eindruck hängen, dass die Kita sich aus der Förderung dieser Bereiche ganz gut rausgehalten hat, was auch keine Lösung sein kann. Ein Angebot fand ich richtig Klasse und kann nur zur Nachahmug empfohlen werden: Die Kita hat sich ein mal im Jahr in einer nahe gelegenen Schwimmhalle um einen Schwimmkurs für Kinder ab 5 Jahre bemüht (in der Regel die Erziehern mit den Kindergruppe dieses Alters) hat sich um ein Transportunternehmen gekümmert und ist dann 2 x in der Woche zum schwimmen gefahren - Ziel Seepferdchen. Die Eltern haben die Transportkosten und den Kurs bezahlt. Auf dem Wege konnten unsere Kinder mit 5 Jahren schwimmen und sind darauf natürlich unheimlich stolz.


Gast 3:
Hallo,
auch in unserer Kita gibt es solche Zusatzangebote und auch unser Kind nutzt welche, allerdings finde ich außer Englisch sollten diese Angebote zum Kitaalltag gehören (Singen/Tanzen, Yoga, sportliches (Wald-)wandern).

Sicher können sich nur auf 1 Gebiet konzentrierende Lehrer den Unterricht qualitativ hochwertiger gestalten, wenn aber die Erzieher mit Herz und Seele bei der Sache sind, ist das schnell wettzumachen. Leider haben auch wir den Eindruck, dass sich auf diesen Zusatzangeboten "ausgeruht" wird, was in Gesprächen allerdings verneint wird. Schade.

Und die Auskunft der Erzieher zur Qualität der Angebote beschränkt sich meist auf: Wir sind ja auch nicht dabei.


Diskowski:
Weitere Erfahrungsberichte und Meinungen hierzu sind sehr willkommen!

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Diskowski
Referatsleiter Ref. 22 MBJS


Gast 4:
Hallo,
insgesamt positive Erfahrung gemacht. In der Kita ist es möglich zusätzlichen Musikunterricht für die Kleinen zu buchen.
Leider versteht der Träger, eine Gemeinde, dies jetzt als Lizenz zum Gelddrucken. Der Externen Musiklehrerin werden jetzt die Kit eigenen Räume vermietet, so dass die Eltern 2,- EUR mehr im Monat für den Musikunterricht aufbringen müssen. Das freche daran ist, das die Betriebskosten für diese Räume ja schon über die Elternbeiträge finanziert werden und der Unterricht während der Betreuungszeit stattfindet, also Personal entlastet wird.

Gast 5:
Ich kann Gast 4 da nur zustimmen.
Bei uns wird in der Kita ein Englisch-Kurs für nicht gerade wenig Geld fakultativ durchgeführt. Die Räume gehören dem Träger, die (bezahlten) Erzieher werden entlastet. Im Prinzip zahlt das Land BB den Kurs also auch mit.


Gast 6:
Hallo, ich verstehe diese Diskussion nicht.
Wenden Sie sich doch an den Kita-Ausschuss.
In unserer Kita sind wir uns einig, dass kostenpflichtige Angebote nicht innerhalb der gesetzlichen Betreuungszeit stattfinden. Gleiches Recht für alle Kinder!!!!!!!!!
Was wird mit den Kindern deren Eltern diese Summen nicht finanzieren können?
Außerdem haben Erzieher mit ihren Interessen die Möglichkeiten in Interessengruppen unterschiedliche Begabungen zu fördern ( Bsp:: Tanzen, Chor, Instrumente, Englisch, Basteln, Kochen und Backen.....)
Einfach mal eine EFV einberufen und evtl. Unklarheiten klären!!!!
Ich wünsche Ihnen viel Kraft!


Gast 5:
Eine gute Idee mit dem Kita Ausschuss, das werde ich tun.


Gast 4:
Kitaausschuss??

Ich weis ja nicht welche Rechte der bei Ihnen hat, in unserer Gemeinde jedenfalls hat er keinen Einfluss darauf ob die Gemeinde Miete vom Externen Anbieter nimmt oder nicht!

An den Anononymen:
Sicher wäre es besser, wenn alle Kinder in den "genuss" kämen! Allerdings ist es nun mal wie es ist, die einen Eltern wollen die musisische oder sprachliche oder...Bildung fördern andere nicht. Da nutzt die Gleichmacherei nicht viel, den spezielle Neigungen lassen sich beim Einheitsbrei nunmal nicht fördern. Außerdem werden durch die Externen, die Erzieher entlastet und können sich in dr zeit intensiver mit den Kindern beschäfigen deren Eltern diese Förderung nicht leisten können oder wollen.

Ich finde nur frech, das diese externen Angebote, zu denen die Kitas keine eigene Alternative bieten, künstlich verteuert werden indem die Räume vermietet werden!!


Gast 6:
Sehr geehrter Gast 4!
Die Kompetenz des Kita- Ausschusses sollte keiner unterschätzen. Der Kita- Ausschuss ist doch aus Eltern, Erziehern und Vertretern des Trägers zusammengesetzt.
Wenn Sie sich nicht optimal vertreten wissen,sollten Sie vielleicht überprüfen ob nicht andere Vertreter günstiger sind!
Auch ich finde es wichtig, vorhandene Stärken der Kinder weiterhin zu fördern. Ich bin jedoch der Meinung, dass diese Begababtenförderung von den Erziehern in Form von AG oder Interessengruppen erfolgen kann.
Einzelne und individuelle Ausnahmen (z.B. Klavier...), können jedoch außerhalb der Betreuungszeit erfolgen.
Entschulduldigen Sie bitte;Das Wort "Einheitsbrei" mögen Erzieher kennen, die die Einheit verschlafen haben.
Von Einheitsbrei kann schon viele Jahre nicht mehr die Rede sein. Ich gebe Ihnen Recht, dass teilweise einige Reserven vorhanden sind.
Deshalb bietet dieses Forum eine Diskussionsgrundlage, um Vorhandenes noch besser zu nutzen.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!


Gast 7:
Hallo,

uns wurde gestern Abend auf dem Elternabend zum Thema kostenpflichtiger Englisch-Kurs eines native Speakers vom Träger nur gesagt, dass dieses auf gar keinen Fall gemacht werden darf. Bei uns wurde es für alle Kinder angeboten, während der normalen Betreuungszeit. Finanziell schwächeren Kindern wurde dieser Kurs vom Förderverein bezahlt. Wenn ich hier die Beiträge lese, stimmt das scheinbar so ja gar nicht. Wir sind ein Gemeindekindergarten in NRW.

Was ist denn nun richtig bzw. möglich?

Vielen Dank für eine Aufklärung.

Viele Grüße


Diskowski:
Ich bin überrascht, wie viele kostenpflichtige Angebote offensichtlich in Kitas vorkommen. Ein paar Bemerkungen dazu:
- Ist denn dabei tatsächlich gesichert, dass keine Kinder von den Angeboten ausgeschlossen werden, weil ihre Eltern nicht zahlen können oder wollen?
- Oder wird das kostenpflichtige Angebot in den Randzeiten unterbreitet, so dass es eher als Bereitstellung von Räumen für von Eltern organisierte Aktivitäten zu verstehen ist?
- Nachdenklich muss sicherlich machen, wenn solche Angebote dazu führen, dass Musik, Sport, etc. aus dem normalen Kita-Angebot verschwinden. Damit würde die Kita ihrem Auftrag gem. KitaG sicherlich nicht mehr entsprechen, sondern sich auf Betreuungs- und Versorgungsaufgaben reduzieren.
- Ebenso problematisch scheinen mir missverstandene "Bildungs"angebote von denen zuweilen in der Presse zu lesen ist. Fremdsprachenlernen in der Kita gehört dazu, wenn es über die Begegnung mit anderen Sprachen, die von Muttersprachlern gesprochen werden, oder das Singen andersprachlicher Lieder, das Gespräch über fremde Sprache, die Kindern im Alltag begegnet oder die kulturelle Begegnung mit den in der Kita gesprochenen Sprachen hinausgeht. Bemühungen, Kindern Karrierevorteile zu verschaffen, indem schulische Bildungsprozesse vorverlegt werden, dürften sich in der Wirkung zwischen nutzlos und problematisch ansiedeln. "Gras wächst auch nicht schneller, wenn man dran zieht!" Wie Kinder braucht es (auch geistige) Nahrung, Licht und Wärme.

Sicherlich lohnt für die Diskussion in der Kita über solche Angebote auch mal ein Blick in die Grundsätze elementarer Bildung, die für alle Kitas einen verbindlichen Rahmen ihrer Arbeit darstellen: http://www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/de...bm1.c.235422.de
Eine Kurzübersicht zur schnellen Information findet sich hier in den Elterninformationen: http://www.mbjs.brandenburg.de/sixcms/de...bm1.c.258355.de

Mit freundlichen Grüßen
Detlef Diskowski
Referatsleiter Ref. 22 MBJS


Gast 8:
Die Sache mit den zusätzlichen Angeboten ist ein zweischneidiges Schwert. Zum Einen sollte man meinen, dass ErzieherInnen umfassend ausgebildet sein sollten, doch gerade die jungen ErzieherInnen erleben in ihrer Ausbildung zb gar keinen musikalischen Unterricht. Das kommt jedoch auf die Schule an.

Dann gibt es Eltern, die der Wert der Arbeit der Pädagogen gar nicht genug schätzen und eher noch einen Haufen Geld für Zusatzangebote zahlen. Kostet was= gut!

Ich selbst wiederum machte die Erfahrung als Mutter, dass aber das, was unsere Musikpädagogin mit den Kindern veranstaltete schon weitaus mehr als nur Singen & Tanzen war und mein Kind eigentlich 1x/Woche eine MusikTHERAPIE erfuhr, für die ich nur 15 Euro/Monat zahlen musste. Das was die Kinder dort erfuhren war viel zu kompliziert, als dass sie es zu Hause wiedergeben konnten, aber die Musik-Ulrike war offen für die Hospitation der Eltern. Leider wussten dies die Erzieherinnen meiner Tochter nicht zu schätzen und die Musikpädagogin wurde rausgegrault.

Ich finde zusätzliche Angebote in den Kitas nicht schlecht und jede Kita sollte abwägen, wie viel eigene Zeit sie sich von ihrer Arbeit abschneiden lassen will. Immerhin haben sie auch einen Bildungsauftrag zu erfüllen. Ich halte die Angebote am Nachmittag auch für sinnvoller und wer das von den Anbietern nicht eintakten kann, muss sich ein anderes Wirkungsfeld suchen. Für die Eltern ist das eine gute Sache, denn sie müssen nicht am Nachmittag noch sonst wie weit fahren.
Da die Anbieter ihre Angebote kommerziell betreiben, finde ich es auch gerechtfertigt, dass sie Miete für diesen Raum bezahlen.


zuletzt bearbeitet 16.07.2015 21:11 | nach oben springen


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